Stimmen zu Hanna Breidinger-Spohr

 

„Sie war von überbordender künstlerischer Produktivität, schuf Zeichnungen, Ölgemälde, Aquarelle, vor allem aber Holz- und Linolschnitte. Ließ in 45 Jahren zahllose Porträts, Stadtansichten von Eberbach, Tierbilder und Illustrationen entstehen. Doch nur ein kleiner Teil davon fand bisher den Weg an die Öffentlichkeit. Das soll sich mit der neuen Sonderausstellung im städtischen Museum ändern … Bilder zum Schauen, Staunen und Genießen, eine Fundgrube für Eberbach-Liebhaber ebenso wie für Kunstkenner, denen hier nach Einschätzung der Kunsthistorikerin Dr. Sigrun Paas-Zeidler eine 'der großen Holzschnittkünstler des 20. Jahrhunderts' nahegebracht wird ... mehrRhein-Neckar-Zeitung (16.09.2020)

 

„Die damals zunächst kaum beachteten Sehenswürdigkeiten Eberbachs, die heute den Charme der Stadt ausmachen, hielt sie in Bleistift- und Feder-Zeichnungen fest … Ihre Werke haben die städtebaulichen Idyllen von Eberbach über die Region hinaus bekannt gemacht und auch manchem Einheimischen die Augen geöffnet für die Schönheit der alten Mauern, Türme und Fachwerkhäuser. … Während ihres zweiten Studienabschnittes in Karlsruhe entdeckte Hanna Spohr bei Prof. Hubbuch den Holzschnitt als die ihr am meisten entsprechende Kunstform und schuf darin ein riesiges, bisher kaum bekanntes Lebens-Werk, das noch auszuloten ist. Es bringt sie, trotz ihrer gelebten Bescheidenheit, in seiner Vielfalt und Qualität neben die großen Holzschnittkünstler des 20. Jahrhunderts.“ Aus dem Vorwort von Dr. Sigrun Paas-Zeidler im Katalog zur Ausstellung „Hanna Breidinger –Spohr“ im Museum der  Stadt Eberbach (19.09.20 – 11.04.21)

 

„Ich schneide gern. Es ist etwas Verläßliches. Der Schnitt steht. Er kann nicht korrigiert werden.“ Diese klare Linie, die eine Entscheidung in der Technik verlangt, setzt sich bei Hanna Breidinger-Spohr im künstlerischen Ausdruck fort: Er ist klar und eindeutig. In den früheren Arbeiten mehr abstrahiert als heute. Details, manchmal auch Ornamente, haben die großen Formen und Konturen ersetzt. Unverschlüsselt und direkt sprechen ihre Arbeiten das aus, was sie berührt. Mit dem Messer kämpft sie „wider den tierischen Ernst“, wie sie selbst sagt […] Gefühlsmäßige Anstöße oder Anlässe, Geschehnisse und Gedanken sind es, die Hanna Breidinger-Spohr mit dem „Werkzeug beobachtet“. Oder mit dem Bleistift: Schnell gezeichnete Skizzen, „aus denen etwas entsteht“. Humus nennt sie diese „Sammlung“. Irgendwann werden dann „Ideen ins Handwerk umgesetzt.“ Rhein Main Presse (12.09.1997)

 

„Bilder sind Fenster in die Hintergründe dieser Welt.“ Es ist kein Zufall, daß dieser programmatische Satz im Atelier der Künstlerin Hanna Breidinger-Spohr steht. Sie ihn selbst in Holz geschnitten – unter einen kunstvoll verzierten, aber leeren Rahmen […] Ihre Bilder sind ein Konzentrat, eine Verdichtung aus Alltagsbeobachtungen, aus der Lektüre (am liebsten Autobiographien), Tier- und Menschenstudien. Hanna Breidinger-Spohr ist eine Perfektionistin. Sie ringt dem spröden Holz Feinheiten und winzige Details ab, die die Schwarz-Weiß-Drucke so ausdrucksstark und faszinierend machen. Jedes Ornament hat auch eine Funktion, selbst dort, wo Hanna Breidinger-Spohr in Linien und Zeichen geradezu schwelgt." Öffentlicher Anzeiger (10.09.1997)

 

 

 

„Ob sie ihre Meinung zur Politik zum Ausdruck bringt oder im Porträt Konturen setzt, immer ist Hanna Breidinger-Spohr offen und ehrlich. Wenn sie mit den Mitteln des Holzschnitts oder des Linolschnitts ihre Ansichten ins Bild setzt, wird nichts künstlich verschleiert. Der Betrachter erkennt und schmunzelt. Gerne kleidet die Künstlerin […] ihre Kritik in eine Tierszenerie. Der Affe, der wohlgefällig einen Orden betrachtet oder die Schafe, die in aller Frömmigkeit demonstrieren, stammen aus der Fabelwelt der Romantik. Lassen sich so häufig Verbindungen zur romantischen Ideenwelt finden, so ist die Darstellungsweise deutlich expressionistisch, erinnert an die „Brücke“-Künstler, wurde aber darüber hinaus weiter entwickelt.“ Allgemeine Zeitung (30.10.1989)

 

 

 

„Holz ist ein hartes, ehrliche Arbeit forderndes Material. Der Künstler, der sich dieses zum Medium wählt, muß ihm gewachsen sein, muß klar und ohne Beschönigung arbeiten wollen. Die Idee liegt geistig vor der Skizze, die er auf das Holzstück fixiert. Mit dem Schneiden wird die Arbeit unwiderruflich festgelegt. Der Werkstoff Holz verweigert das Spielerische; er verlangt vom Künstler Entscheidung und Konzentration. Wie ist die Künstlerin Hanna Breidinger-Spohr angelegt, die sich dem Holz verschrieben hat? Es ist schwierig in ihre innere Welt einzudringen … Mit den schlichten Titeln ihrer Arbeiten wird eine Barriere aufgebaut, die zu übersteigen ist. Keine Hilfestellung von der Künstlerin; sie überläßt es dem Betrachter, einzudringen in die geistige Schicht der Bilder.“  Wilma Döring-Vitt im Vorwort zu „Hanna Breidinger-Spohr HOLZSCHNITTE  - Eine Künstlermonografie“ (1982)

 

„Heute gilt Hanna Breidinger-Spohr, die ihr Studium an der Akademie der bildenden Künste in Karlsruhe absolviert hat, die letzten beiden Jahre bei dem bekannten Kunstprofessor und Künstler Karl Hubbuch, als eine der wenigen bedeutenden Holzschneiderinnen des Nachexpressionismus […] Verlegerin Wilma Döring sieht den Standpunkt der Künstlerin nahe bei Frans Masareel und Hansen-Bahia – allen drei Künstlern sei der innere Bildreichtum, die Kraft der schöpferischen Phantasie und die Fähigkeit, mit dem Holz zu sprechen, eigen.“ Eberbacher Zeitung  (15.10.1982)

 

„Reduktion ist in der bildenden Kunst zur Rarität geworden. In der gegenwärtigen Kunstszene ist die Holz- und Linolschneiderin Hanna Breidinger-Spohr eine der rühmlichen Ausnahmen. […] Doch es ist nicht vorrangig die unanfechtbare formale Könnerschaft, die Hanna Breidinger-Spohrs Arbeiten über das Mittelmaß und ästhetisch Unverbindliches deutlich emporheben: Es ist die komplexe – niemals vordergründige – existentielle Wucht und Aussagekraft der Holzschnitte, die mehr als ein intensives Seherlebnis vermitteln. Wer sich gründlich mit den Blättern von Hanna Breidinger-Spohr einläßt, wird mit einer Betroffenheit belohnt, die einen tieferen Einblick in das Wesen des Menschlich-Allzumenschlichen gewährt.“ Mannheimer Morgen (28.10.1981)

 

„Es war ein eindringlicher und beeindruckender Auftakt: das neue Eberbacher Kurzentrum bot sich erstmals seinen Bürgern als eine Heimstätte für Kultur dar. Eine glückliche Entscheidung begünstigte den Augenblick der Premiere. Die erste Künstlerin, die ihr Werk in den Foyers auf drei Etagen des Kurzentrums präsentiert, ist eine Eberbacherin: die Holzschneiderin Hanna Breidinger-Spohr, heute mit ihrer Familie in Bad Kreuznach lebend. Die Ausstrahlung dieser schlichten, bescheidenen Künstlerpersönlichkeit und die bemerkenswerte Dichte und ungeschwätzige Ausdruckskraft ihrer 54 ausgestellten Arbeiten erhoben die erste Ausstellungseröffnung in Kurzentrum fürwahr zu einem geistigen Ereignis. Dem eindrucksvollen Werk der Künstlerin Hanna Breidinger-Spohr war die Qualität der Eröffnungsrede angemessen. Eine kompetente Förderin der Eberbacher Holzschneiderin, die Direktorin des renommierten Künstlerhauses Karthause Koblenz, Wilma Doering-Vitt, verzichtete auf ästhetische Unverbindlichkeiten und meißelte in ihrem Persönlichkeits- und Werkporträt das tiefe innere humane Engagement der Künstlerin Hanna Breidinger-Spohr heraus. Viele Besucher im überfüllten Foyer, darunter zahlreiche Repräsentanten des öffentlichen Lebens in Eberbach, horchten mit Betroffenheit auf und standen später gebannt und nachdenklich vor den herausragenden Werken dieser Ausstellung.“ Heidelberger Tageblatt (19.10.1981)

 

„Als ich 1977 die Ehre hatte, eine Holzschnittausstellung von Frau Hanna Breidinger-Spohr in Bonn vorstellen zu dürfen, begegnete ich dort dem Kulturattaché der Botschaft der Volksrepublik China, Herrn Wann Pu-tao, einem exzellenten Kenner der traditionsreichen Holzschnittkunst seines Landes, die schon im 8. Jahrhundert nachgewiesen ist. Es war keineswegs fernöstliche Höflichkeit, mit der dieser Experte die Arbeiten von Frau Breidinger-Spohr als mit zu den Besten in Deutschland zu zählenden lobte.“ Wilma Döring-Vitt, Eröffnungsansprache zur Ausstellung mit Werken von Hanna Breidinger-Spohr am 28.07.1979 (Künstlerhaus Karthause, Koblenz)

 

„Werk und Künstler verstehen sich immer als Einheit und in ganz eindeutiger Weise läßt sich diese Einheit hier verfolgen. Schon in der Wahl der Mittel, oder anders gesagt in der Wahl der Technik bekennt sich Frau Breidinger-Spohr zu einer ganz klaren Aussage, die kein „vielleicht“ gelten läßt. Ein Holz- oder Linolschnitt verlangt diese klare Stellungnahme [ …] ihre Technik läßt keine Grautöne zu. Sie steht zu ihrer Aussage und kann und will daran keinen Strich ändern. Auch wenn Sie Frau Breidinger-Spohr persönlich kennen, werden Sie wissen, daß heute so beliebte Redewendungen wie „ich möchte meinen“ bei ihr ausgeschlossen sind. Frau Breidinger meint nicht, sondern sie hat etwas zu sagen.“ Franz Eichenauer, Eröffnungsansprache zur Ausstellung mit Werken von Hanna Breidinger-Spohr (1973, Galerie Wermann, Ingelheim)

 

„Wer das vielfältige Werk von Hanna Breidinger-Spohr überblickt, spürt sofort: sowohl in ihren Holzschnitten, in ihren Aquarellen als auch in ihren Ölbildern geht es niemals um eine reizvolle Technik oder um ein artistisches Spiel mit Flächen, Linien und Farben. Die überraschend starke Aussagekraft der Holzschnitte vor allem ist es, die deutlich macht, daß es hier auch nicht um Stimmungen oder Impressionen geht, sondern um eine bildnerische Kunst, die einen kraftvollen und tiefen Ausdruck sucht […] Die Holzschnitte von Frau Breidinger-Spohr legen Zeugnis ab von der Meisterschaft einer Künstlerin, in harten Schwarz-Weiß-Gegensätzen mit kraftvollen und doch biegsamen Linien die Bildfläche zu beherrschen. Die Formensprache dieser Holzschnitte ist so eindringlich, daß man gespannt sein darf auf Arbeiten in einer erweiterten Technik, mit der sich die Künstlerin augenblicklich auseinandersetzt: dem Farbholzschnitt.“ Allgemeine Zeitung

 

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